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STIFTUNG FÜR KONKRETE KUNST ROLAND PHLEPS
FREIBURG-ZÄHRINGEN, POCHGASSE 73
 
 

 

Ansprache von Roland Phleps zur Eröffnung der Ausstellung von

René Dantes

"Der Mensch – Mitte und Maß"

Skulpturen - Malerei - Zeichnungen

am 9. September 2018 in der Skulpturenhalle der
Stiftung für Konkrete Kunst Roland Phleps in Freiburg

 

Sehr geehrte Frau Dantes, lieber René Dantes,
liebe Freunde unserer Stiftung, meine Damen und Herren!

Ich begrüße Sie herzlich zur Eröffnung dieser Ausstellung und freue mich über ihr zahlreiches Erscheinen. Wir haben schon einmal vor sechs Jahren René Dantes als Gast mit einer Auswahl seines bildnerischen Werks präsentiert und haben ihn jetzt noch einmal eingeladen, nicht zuletzt weil seine großen Skulpturen in dieser Halle gut zur Geltung kommen können.

Lassen Sie mich mit dem Lebenslauf des Künstlers beginnen. René Dantes ist 1962 in Pforzheim zur Welt gekommen. Er hat seine künstlerische Ausbildung in Österreich und Frankreich erfahren, nämlich 1982 bis 1987 in Wien an der Akademie der Bildenden Künste, er hat das Studium der Malerei mit dem Diplom als Magister Artium abgeschlossen. 1986 nahm er an der Sommerakademie in Salzburg im Fach Plastik teil und studierte Bildhauerei an der École des Beaux-Arts in Paris (1987 – 1990). Er hat eine Reihe von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in deutschen Städten, in Basel, Zürich, Antwerpen, Paris, New York und Peking gehabt und ist mehrfach mit Stipendien und Kunstpreisen ausgezeichnet worden.

Ich wende mich jetzt dem Werk René Dantes zu, seinen Metallskulpturen, seiner Malerei, seinen Zeichnungen. Unsere Stiftung ist der Konkreten Kunst verpflichtet, einer immer noch zeitgenössischen Kunst, die ungegenständlich ist und nicht von der "Natur" unserer Lebenswelt ausgeht. Unser Ausstellungsprogramm ist aber nicht dogmatisch festgelegt und erlaubt Ausnahmen nach anderen Kriterien.

Warum haben wir René Dantes erneut eingeladen? Die Antwort ist die gleiche wie bei den meisten Künstlern, die in den zwanzig Jahren seit unserer ersten Ausstellung hier mit einer Auswahl ihrer Werke zu sehen waren: Weil mich ihre Arbeiten angesprochen haben, weil ich eine positive Resonanz in mir gespürt habe, weil mich als Betrachter etwas bewegt hat. Bewegen heißt im Lateinischen movere, hiervon leitet sich Emotion ab, die Bewegung im Gemüt, also etwas durchaus Subjektives. Wer selbstsicher ist, braucht sein Bekenntnis zur Subjektivität nicht zu scheuen. Mit diesem Kriterium ist für mich aber, um es gleich zu sagen, der rationale, mental-kritische Zugang zum Kunstwerk nicht verschlossen, jedoch nachrangig.

Was mich am Kunstwerk als Gestalt beeindruckt, mich bewegt und freut, liegt auf der Ebene des Ästhetischen, des Gefühls, des sinnlich-Wahrgenommenen. Noch ein Rückgriff auf das Lateinische: Gestalt heißt forma, und davon leitet sich formosus gleich schön ab. Forma ist also die Wohlgestalt, und dieses Wort impliziert im emotionalen Bereich Freude und Beglückung und im rationalen Bereich Proportion, Harmonie und Ordnung. Wir können nach Gesetzen der Wohlgestalt, der Schönheit suchen und werden sie nicht in Zahlen fassen und begreifen können.

Sie könnten den Eindruck gewinnen, meine Damen und Herren, es sei schon mit dem Hinweis auf Wohlgestalt und Ästhetik das künstlerische Werk von René Dantes ganz zu erfassen. Es ist damit nicht getan. Wir sollten der Frage nachgehen, woher die Gestalten kommen, die uns der Künstler vorstellt. Wir erkennen, dass sein Formenrepertoire einen starken Bezug hat auf den menschlichen Körper, auf den Leib, auf den menschlichen Kopf, den weiblichen Torso. Die Abstraktion, die Reduktion auf das, was der Künstler als wesentlich empfindet, geht an die Grenzen des in der Verfremdung noch Erkennbaren.

Die Freiheit vom Imitationszwang bei der künstlerischen Gestaltung führt zu etwas Neuem und zu überzeugenden, eigenständigen Werken. René Dantes ist kein "konkreter" Künstler, er hat seine Sprache gefunden, deren Aussage wir verstehen und verstehen lernen können.

Sehen wir uns an, wohin der gestaltende Prozess den Künstler etwa bei seinen ToolHeads, den "Werkstatt-Köpfen", geführt hat. Ausgangspunkt ist ein Werkzeug wie ein Beil oder die Schneide einer Axt. Ihre Profilansicht führt zur Assoziation mit einem menschlichen Kopf im Profil. Dieser imaginierte Kopf ist reduziert auf flache Kreisbögen, die im klar gezeichneten Winkel aufeinander treffen, als Begrenzung leicht gewölbter Flächen. Was resultiert ist Ausdruck, der vom Betrachter emotional erfasst wird: Ernst, Strenge, Ruhe, Würde. Der fassbare Träger dieses Ausdrucks ist reduziert zum Zeichen.

Die Zeichnungen und Malereien, äußerst sparsam in der Farbgebung, lassen den engen Bezug auf die plastischen Arbeiten erkennen, zugleich erscheinen sie als Zeichen, Schriftzeichen eines fremden Alphabets von großer Ruhe und Klarheit. Ihre Bewegtheit in der Ruhe lässt sich am Schwung des Pinsels in der malend-zeichnenden Hand ablesen und nachvollziehen. – Der Verzicht auf die räumliche Dimension führt noch zu einer Steigerung, zur Verdichtung der gestaltenden Ideen zum Zeichen. Wer ein Gespür für Monumentalität hat, findet sie hier, unabhängig von den metrischen Abmessungen des Werkes.

Wollte ich abschließend das vorgestellte Werk von René Dantes charakterisieren, genügten hierfür wenige Worte: Seine Sprache ist stark ohne laut zu sein. Wir sind bereit, sie zu hören.