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STIFTUNG FÜR KONKRETE KUNST ROLAND PHLEPS
FREIBURG-ZÄHRINGEN, POCHGASSE 73
 
 

 

Ansprache von Roland Phleps

am 26. Oktober 2007 anlässlich der Übergabe der "Bündel-Stele 1" an die Stadt Freiburg

 

Herr Bürgermeister,
Magnifizenz,
liebe Freunde, meine Damen und Herren!

Es ist mir eine Ehre und große Freude, dass Sie mit Ihren freundlichen Worten und durch Ihre Anwesenheit der Übergabe dieser Stele an die Stadt Freiburg einen festlichen Rahmen geben. Dafür danke ich Ihnen.

Zwar stehe ich hier als der Schenkende, doch bin ich zugleich der Beschenkte. Stadt und Universität haben sich darauf geeinigt, meiner Bitte zu entsprechen und dieses für einen urbanen Raum konzipierte Werk gerade hier aufstellen zu lassen, wo es dem neu benannten Platz der Universität von erhöhter Position her einen Akzent geben kann. Das freut mich als Künstler, der diese Stele nicht irgendwo platziert sehen möchte. Skulptur und Raum sind aufeinander bezogen, und diese Beziehung soll stimmen. Für ihr Verständnis und für ihr Entgegenkommen danke ich der Stadt, deren Bürger ich bin, und der Universität, an deren Klinikum ich jahrelang Assistenzarzt war.

Bis zur Fertigung und Aufstellung dieser Stele waren viele fachkundige, erfahrene und motivierte Partner tätig. Vom Ausschachten und Betonieren des vom Statiker berechneten Fundaments bis hin zum Schleifen und Schneiden der Edelstahlbleche, die durch gestuftes Abkanten diagonal gerundet und dann in die bogigen Schlitze der Stahlbasis präzise eingepasst und verschweißt werden mussten. Schließlich hat die Städtische Feuerwehr mit schwerem Kranwagen das Riesentrumm aufgerichtet und millimeter­genau platziert. Allen Beteiligten, die ich nicht mit Namen aufzählen kann, gilt mein herzlicher Dank, bescheiden verbunden mit dem Wissen: Die Kunst muss durch das Handwerk gehen!

Jetzt stehen Sie, meine Damen und Herren, vor einem Werk der Konkreten Kunst, mit der manche von Ihnen vertraut sind, andere aber fragen mögen, was das Werk darstellt oder was es bedeutet, und ratlos bleiben mit der Antwort: Weder stellt es etwas dar noch bedeutet es etwas. Wenn Sie aber fragen, "wie ist das Werk und wie wirkt es auf mich?", so kommen Sie ihm näher. Sie sehen eine Gestalt, die schlank aufragt, sich aus verschiedenen Blickwinkeln überraschend unterschiedlich präsentiert, und vor allem: Sie sehen ein Werk aus schwerem Stahl, statisch - zugleich aber leicht und bewegt. Wie kommt das? Wer sehr genau hinsieht, wird bemerken, dass die drei vermeintlichen Rechtecke, aus denen die Stele gebündelt ist, keinen einzigen rechten Winkel und keine einzige gerade, nicht gewölbte Kante haben. - So weit die "Erklärung" der Skulptur.

Eine wichtigere "Erklärung" will ich Ihnen aber zum Schluss geben: Die "Bündel-Stele" ist ein Zeichen, ein Zeichen des Dankes an die Stadt Freiburg von Einem, der die Heimat seiner Kindheit im Krieg verloren und in Freiburg endgültig eine zweite Heimat gefunden hat, eingewurzelt mit seiner Familie seit mehr als fünfzig Jahren. Über Heimat sollte man nicht laut reden, denn Spötter stehen bereit. Wer aber durch Verlust erfahren hat, wie nötig wir Heimat haben, wird auch meine große Freude verstehen und teilen: In der Stadt meiner Geburt und Kindheit, der Stadt, der ich in Liebe und Schmerz verbunden bin und bleibe, Hermannstadt in Siebenbürgen, wird auf Beschluss des deutschen Oberbürgermeisters und des Bezirksrats eine gleich große, ähnliche "Schwester" dieser Stele im kommenden Frühjahr aufgestellt werden. - Ein Ring schließt sich.