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STIFTUNG FÜR KONKRETE KUNST ROLAND PHLEPS
FREIBURG-ZÄHRINGEN, POCHGASSE 73
 
 

 

Aus: Badische Zeitung vom 16.06.2006

Von Thomas Lachenmaier

 

Eine Form ohne Makel

Kugel- und Würfelobjekte von Hans Dieter Bohnet sind in der Stiftung für Konkrete Kunst in Freiburg zu sehen

Hans Dieter Bohnet - Kugelobjekt

Kugelobjekt
Hans Dieter Bohnet

Die Kugel ist die stabilste aller räumlichen Formen, die absolute Form. Die Freiburger Stiftung für Konkrete Kunst zeigt in ihrer Skulpturenhalle die Werke eines Künstlers, der sich wie kaum ein anderer mit ihr auseinander gesetzt hat: Hans Dieter Bohnet.

Erst wenn die Form ohne Makel aufgebrochen und als Umhüllung eines inneren Kosmos verstanden wird, entsteht die Möglichkeit zur Reflexion. Hans Dieter Bohnet öffnet die hermetische Kugel und eröffnet damit die Suche nach einer neuen Ordnung. In der architektonischen Strenge des Ausstellungsraumes wendet sich die Aufmerksamkeit des Besuchers willig , geradezu hungrig nach Form, den Objekten zu. Im weichen Oberlicht locken die Objekte trotz der Kühle und Härte des technischen Werkstoffs - meist Stahl oder Aluguss - mit der Sinnlichkeit ihrer Formen. Verstohlen greift man mit den Fingern in eines der knapp zwölf Zentimeter großen Kugelobjekte oder gleich mit dem ganzen Arm in die hüfthohe Skulptur im Eingangsbereich. Um festzustellen, dass sich das Schwergewicht mühelos drehen lässt. Die Leichtigkeit und Durchlässigkeit der Form scheint sich zu verselbständigen.

 

Der 1926 in Trossingen geborene Hans Dieter Bohnet ist ein beharrlich Suchender, ein Entdecker von Formen im Inneren von Kugel und Würfel. Seine Raumgebilde sind von einer frappierenden organischen Richtigkeit, belebt von einer dynamischen Harmonie - als seien sie, von einer inneren Kraft getrieben, noch immer im Werden. Im Kugelinneren entwickelt Bohnet einen staunenswerten Formenreichtum. Der strengen Würfelform gibt er durch Herauslösen von Teilformen eine gleichsam innere Erklärung. Es scheint, als mache er ihre Struktur, ihren architektonischen Bauplan sichtbar.

Bohnet hatte vor dem Studium der Kunst Architektur studiert. Seine Werke sind Form gewordenes Raumdenken und bauen Bezüge zur Umgebung auf. Es verwundert nicht, dass er zahlreiche Wettbewerbe zur Gestaltung von öffentlichem Raum gewonnen hat.

Die Arbeiten fordern geduldiges Sehen - nach Möglichkeit einen zweiten Besuch der Ausstellung. Wenn das Wiedersehen auf die Erinnerung trifft, öffnet sich ein tieferes Verständnis für diese Innenräume, ihre Beziehung zu ihrer Begrenzung, ihre Ausstrahlung in den Raum. Bohnet sagte einmal, er sei auf der Suche nach einer "ganz klaren Form", nach der "zeitlosen Würde" dieser Formen. Diesem unbescheidenen Anspruch wird er gerecht.

- Stiftung für Konkrete Kunst, Pochgasse 71, Freiburg.
Bis 9. Juli 2006 jeden Sonntag von 11.30 bis 13.30 Uhr, außerdem jederzeit nach Vereinbarung: Tel. 07 61 / 5 41 21 oder 5 41 61