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STIFTUNG FÜR KONKRETE KUNST ROLAND PHLEPS
FREIBURG-ZÄHRINGEN, POCHGASSE 73
 
 

 

Aus: Badische Zeitung vom 17.09.2005

Von Hans-Dieter Fronz

 

Die Eleganz des Stahls

Arbeiten des katalanischen Künstlers Andreu Alfaro in der Stiftung für Konkrete Kunst Freiburg

Für Goethe und Frau von Stein verlässt er schon mal den Boden des streng Konstruktiven. Nicht nur in dem Zyklus von 20 Lithografien zu den "Römischen Elegien", die uns den Dichter in mehr oder weniger pikanten Situationen vor Augen stellen, wechselt Andreu Alfaro aufs Feld des Figürlichen hinüber - wiewohl eine der Grafiken uns den bewunderten Klassiker auch more geometrico, durch ein simples Dreieck aufs physiognomische Merkmal der markanten Nase reduziert vergegenwärtigt. Auch in die Eisenskulptur "Charlotte von Stein" oder das kurvig-eckige Liniengefüge aus Cortenstahl von "Goethe und die Wissenschaften" lassen sich ohne Verrenkungen wenigstens figürliche Anklänge hineinlesen.

In einer Auswahl von annähernd vierzig Arbeiten stellt die Freiburger Stiftung für Konkrete Kunst den konkreten Künstler aus Valencia vor - mit Stahl- und Eisenskulpturen und Zeichnungen in der Halle sowie einigen auch im physikalischen Sinn gewichtigen rostroten Kreisformen aus Cortenstahl im Garten des Anwesens von Roland Phleps, dem Hausherrn. Der wurde auf den Katalanen vor zehn Jahren aufmerksam: Eine ehemalige Patientin des kunstsinnigen Psychiaters brachte aus dem Spanienurlaub Fotos von Arbeiten Alfaros mit, die im Botanischen Garten von Cap Roig an der Costa Brava ausgestellt waren. Bei einer Veranstaltung im Goethehaus in Frankfurt lernte Phleps den Künstler, von dem einige Großskulpturen in deutschen Städten stehen und dessen Ausstellungen in Spanien auch schon mal von König Juan Carlos eröffnet werden, kennen. Vollends überzeugt wurde er von der Qualität seiner Arbeiten in einer Einzelausstellung im Bottroper Museum "Das Quadrat".

Nicht verwunderlich, dass ihm dies gefällt. "Ich bin ganz hin, wenn ich das sehe", sagt Phleps, der als Skulpteur selbst Stahl verwendet, angesichts einer sich mit spielerischer Eleganz auffächernden Arbeit aus dünnen Edelstahlstäben. Auch die "Lebensleiter" arbeitet mit Stabelementen, nun aufgereiht an einer vertikalen Achse. Wohnt das Moment von Serialität der Skulptur keimhaft inne, so bezeugt es sich in Arbeiten wie "Zehn Quadrate" bereits im Titel.

 

Andreu Alfaro - Suau-Suau

Andreu Alfaro: Suau-Suau (1974)
 

Demselben Prinzip gesetzmäßiger Variation verdankt sich die bewegte Anmut des Modells der "Escultura per a Europa", auch das luftige "Testament des Plautus".

Doch die Ausstellung, die mit Werken aus gut dreißig Jahren einen Querschnitt durch Alfaros OEuvre legt, kennt auch ganz andersartige Skulpturen. "Hommage an Brâncusi" von 1972 ist eine kompakte Ellipsenform als Schrägschnitt durch ein Edelstahlrohr und nähert sich trotz räumlicher Ausdehnung der Fläche (wie andererseits die zwanzig Jahre später entstandene "Silueta"). Bewegung nimmt sich hier aus dem Raum zurück in ein meditatives inneres Kreisen, vergleichbar mit den durchbrochenen Kreisformen aus Cortenstahl der "Cercles" von 1997. Die greifen in der Binnenstruktur manchmal das Prinzip der Serialität auf, wenden es aber ins Unregelmäßige und Asymmetrische - wo nicht gar in eine archaisch-zeichenhafte, freie Ornamentik.

Und schließlich gibt es da noch Skulpturen wie "Stahlbögen" (1980), die sich als mit einfachen Linien operierende Raumzeichnungen charakterisieren lassen. Ein Kreis bricht auf und verzieht sich ins Dreidimensionale. Oder ein paar Geraden entwerfen skizzenhaft einen verwinkelten Raumkörper. In der Betonung der Linie erinnern diese Arbeiten an Alfaros Anfänge als Zeichner, auf die auch Serien von Farbzeichnungen verweisen. Auch die beiden Serigrafie-Folgen fallen ins grafische Gebiet. Die eine, "dogma, revolució, anarquia" mit Titel, beschreibt mittels leichter Abänderungen der Lineamente eines Quadrats eine Entwicklungslinie. Die andere demonstriert die Entwicklungsmöglichkeiten einer Sinuskurve. Ein Schelm, wem andere Kurven in den Sinn kommen.

 
- Andreu Alfaro in der Stiftung für Konkrete Kunst, Pochgasse 71, Freiburg. Bis 6. November 2005, sonntags 11.30 bis 13.30 Uhr und nach Vereinbarung.

 

 
Andreu Alfaro:
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Pressemitteilung

Skulptur "Suau-Suau"

Bilder der Ausstellung

Die Eleganz des Stahls
Von Hans-Dieter Fronz, Badische Zeitung, 17.09.2005

 
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