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STIFTUNG FÜR KONKRETE KUNST ROLAND PHLEPS
FREIBURG-ZÄHRINGEN, POCHGASSE 73
 
 

 

Aus: Badische Zeitung vom 14.04.2009

Von Hans-Dieter Fronz

 

Die geistige Erhöhung des Sichtbaren

In der Skulpturenhalle sind Ölbilder, Grafiken und Skulpturen des Freiburger Künstlers Hans-Günther van Look ausgestellt

 
Granit, ohne Titel. Skulptur von  Hans-Günther Van Look

Granit, ohne Titel
Hans-Günther Van Look
 

Schon einmal waren hier Bilder und Grafiken von ihm zu sehen. Auch wenn Hans-Günther van Look sich nicht als konkreter Künstler verstand, so gab es in seinem Werk doch genügend Berührungspunkte mit dieser Kunstrichtung, um ihm an diesem Ort - in der Skulpturenhalle der Stiftung für Konkrete Kunst in Freiburg - eine Ausstellung zu widmen. 2003 war das. In diesem Jahr wäre der Freiburger Künstler, der vor zwei Jahren, für seine Angehörigen und Freunde völlig unerwartet, aus dem Leben gerissen wurde, siebzig geworden. Anlass für die Stiftung, ihn jetzt mit einer Gedenkausstellung zu ehren. Ölbilder, Grafiken und Skulpturen sind zu sehen - alles in allem ein aussagekräftiger Querschnitt durch ein facettenreiches Werk, das über die genannten Techniken hinaus etwa auch Glasmalereien für Sakralbauten umfasst.

Der erste Eindruck wird beherrscht von einer Reihe großformatiger Ölbilder, die den Saal bespielen, während die Grafiken und - bis auf eine Ausnahme - die Skulpturen auf der umlaufenden Galerie platziert sind. Für diese "Lichthorizont"- und "Pylon"-Bilder ist van Look bekannt. Sie sind das Ergebnis eines mystischen Erlebnisses an einer antiken Stätte in Ägypten. Man möchte sie als gleichsam abstrakte Landschaftsbilder bezeichnen, die die physische Präsenz des Motivs in monochromen Farbfeldern andeutend evozieren, um sie gleichzeitig in Richtung geistiger, meta-physischer Regionen zu transzendieren. Wie ja überhaupt van Look einen starken Hang zur geistigen Überhöhung des Sichtbaren in der Kunst zeigt - etwa auch in seinem posthum erschienenen Buch über den Maler Cézanne, den er mit Heideggerscher Begrifflichkeit zu interpretieren suchte.

Die klassische Dreiteilung des Raums im Landschaftsbild in Vorder-, Mittel- und Hintergrund überschreiten die "Lichthorizonte", indem - als weitere räumlich-geistige Komponenten jenseits des Sichtbaren - Firmament und Kosmos hinzutreten. Den fünfstufigen Bildaufbau mittels übereinander geschichteter horizontaler Farbbänder konterkarieren die Pylon-Bilder durch einen die Farbbänder senkrecht querenden schwarzen Balken - den Pylon. Auch erhält der geometrische Bildaufbau einen informellen Kontrapunkt in Form von Einsprengseln gestischer Unmittelbarkeit: Partien, an denen sich Farbe pastos aufwirft und darin eine Art sinnfälliges physisches Gegengewicht zur geistigen "Fluchtlinie" der Malereien bildet.

In schönem Kontrast gesellt sich zu den wandfüllenden Malereien eine für van Look eher untypische Skulptur hinzu, die bemerkenswert schon ob des fürs spätere Werk ungewöhnlichen Anklangs an die menschliche Gestalt ist - ein Torso freilich, so wie im starken Frühwerk van Looks die menschliche Gestalt einzig in bruchstückartiger Reduktion aufscheint. Die gleich Schwingen erhobenen Arm-Stümpfe deuten Schwerelosigkeit an, der klaffende Riss im Brustbereich wie die geometrischen Brechungen der Organik des Rumpfs dagegen Verletzung und Schmerz: ein Werk von hoher Ausdruckskraft, das belegt, dass van Look ebenso sehr Bildhauer wie Maler war.

Von ganz anderer Art sind die Steinskulpturen, die mit ihren senkrechten Einschnitten am überwiegend unbearbeiteten Block spannungsvoll zwischen strenger Geometrie und schierer Materialität, zwischen rationaler Formung und unmittelbarer physischer Präsenz oszillieren. Überzeugend auch die Grafiken: neben einer expressiven lithografishen "Hommage à Chillida" auch Lithografien aus dem Zyklus "Sein und Landschaft", der im schon Titel auf Heidegger Bezug nimmt, sowie Landschaftsbilder kleineren Formats - darunter eine Serie mit dem Motiv des Mont Sainte Victoire, in Anlehnung an den verehrten Cézanne.

- Skulpturenhalle, Pochgasse 73, Freiburg.
Bis 3. Mai 2009, jeden Sonntag von 11.30 bis 13.30 Uhr, außerdem jederzeit nach Vereinbarung: Tel. 07 61 / 5 41 21